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ich bin Vater. Endlich.

Mai 7, 2011 - 2:48 pm No Comments

Ich bin mir sicher, die Überschrift kann ein wenig seltsam klingen. Wird Mia doch nächsten Monat schon zwei Jahre alt. So könnte man meinen, wir bekommen wieder Nachwuchs und ich würde mich erst mit zwei Lütten als Papa fühlen. Doch das ist es nicht.

Über Ostern waren wir mit Freunden in der Toskana. Davor war ich über Wochen lediglich an den Wochenenden daheim und tingelte sonst durch die gehobenen Mittelklassehotels dieses schönen Landes. Mia war oft krank, die Krippe ist eine wahre Bazillenschleuder und Tina durfte sich alleine um unseren Schatz kümmern. Ihre Kraft ging dahin und auch meine war irgendwann in diesem Leben schon mal größer. An den Wochenenden – die Zeit, auf die man sich 5 Tage lang freute – waren die Erwartungen wohl leider oftmals die falschen. Es ehrt mich nicht, und doch muss ich sagen: ich hatte zwar eine Tochter. Aber Papa war ich nicht. Auch nicht mehr Ehemann. Vielleicht viele andere Sachen nicht. Ich fühlte mich ausschließlich als Geld-nach-Hause-Bringer. Und machte das, was Männer sensationell gut können: ich sprach nicht darüber.

Und dann kam dieser Urlaub. Asche auf mein Haupt: im Vorfeld huschten sogar Gedanken durch meinen Kopf, für die ich mich aufrichtig schäme. 1 Woche am Stück das Kind, kann das gut gehen?

Es ging gut. Nein. Viel mehr als das. Es war eine wunderbare Woche. Allein die Fahrt. Weinte Mia früher schon bei recht kurzen Ausritten, so nahm sie die 10 Stunden gen Süden hin wie nichts. War zufrieden. Lachte. Hatte Spaß. Und machte Spaß. Sie lernt so unfassbar viel. Kann jeden Tag neue Wörter sprechen. Versteht die Welt. Vielleicht sogar besser als ich.

Doch eines habe ich in diesen Tagen verstanden. Ich bin Papa. Und nicht nur Ernährer. Meine Tochter liebt mich. Braucht mich. Und gibt mir so unbeschreiblich viel. Wenn Sie auf meinen Schultern sitzt und meine Haare streichelt. Oder mir liebevoll aufs Ohr haut. Sie zu mir kommt und mir ein Bussi gibt. Einfach so. Sie mir die Welt zeigt und ich sie ihr erkläre.

Zwei Jahre hat es gedauert. Ich bin Vater. Endlich.

last day – Ciao Italia!

Juni 26, 2010 - 9:22 am 1 Comment

Hmm. 13 Tage. Ruckzuck. Weg sind sie. Glücklicherweise nicht weg im Sinne von weg. Immerhin haben wir 1 Stunde Video, viele viele Fotos und die leckere Lemonlimo im Gepäck. Plus: Erinnerungen, die uns keiner nehmen kann.

Der Urlaub war / ist schön. Punkt. Auch wenn Madame so langsam ihre weibische Ader zu entdecken scheint. Nach dem Motto ‘bekomme ich nicht meinen Willen, bekommt ihr mächtig Gezeter…’ macht sie immer öfter ihrem Unmut Luft. Ich fürchte, so langsam dürfen auch mal Grenzen gezeigt werden. Ja, ich weiß. Ein Kind ist wohl für immer der Mittelpunkt der Welt. Aber eben nicht für die Welt. Vielleicht für uns. Und für sich. Doch eben nicht für alle Menschen. Und hier dürfen wir nun sicherlich beginnen, genau diese Baustelle zu beackern. Nein sagen lernen. Und auch mal Gemecker aushalten… Ich sehe schon, es wird nicht leichter. Sicherlich spannender, aber garantiert nicht leichter…

Das Vorzelt ist nun abgebaut. Mein Shirt bereits wieder völlig durchschwitzt. Und vor uns liegen noch ca. 7 bis 8 Stunden Resturlaub. Also ab zum Strand und die letzten Sonnenstrahlen aufsaugen nach diesem langen kalten Winter. Braun werden für den Sommer, der noch kommt.

Der Sommer mit einer sehr ehrenhaften Aufgabe. Der Erziehung unserer Tochter. Wünscht uns eine gute Fahrt nachher – und haltet die Daumen, dass morgen (am Sonntag!) die Waschanlage für Wohnwagen offen hat. Der Vermieter wird es uns danken…

Hmm. 13 Tage. Es war eine wirklich tolle Zeit!

Papa (war) allein zu Haus´…

Mai 22, 2010 - 3:10 pm 2 Comments

Was war das ein Wechselbad der Gefühle. Wahnsinn. Doch langsam. Eines nach dem anderen:

Ich habe eine Tochter. Gut, das ist nichts neues. Natürlich habe ich auch eine Ehefrau, immerhin leben wir im geordneten Bayern. So weit auch nichts neues. Und ja, auch eine Schwiegermutter habe ich. Teile ich das sicherlich auch mit vielen anderen Papas. Doch bei uns ist etwas ein bisschen anders als bei anderen. Meine Schwiegermutter genießt einen Teil des Jahres unter griechischer Sonne. Okay. Und da bietet es sich ja mehr als an, wenn der ein oder die andere die ein oder andere Woche des Jahres gleiches macht. So war also der erste wirkliche Sommerurlaub meiner Tochter sehr schnell geplant. Mama einpacken, Tante einpacken, Badebuchse einpacken – und los gehts.

Der Papa bleibt daheim, einer muss ja die Blumen gießen. Zumindest theoretisch. Und das Geld verdienen. Das nun wirklich. Ja, ich war in den letzten Wochen wirklich oft weg. Und ja, natürlich fallen mir diese Trennungen immer wieder schwer. Doch war das anders. Komplett anders, wie ich schon bald erfahren sollte. Denn unter uns, und bitte sagt es nicht weiter, ich freute mich sogar ein wenig auf diese Woche. Diese 7  Tage allein in der Wohnung. Chips. Pizzakartons. Bier trinken und die Gläser nicht wegräumen. Final Destination schauen und das wann immer ich will. Gefolgt von SAW 1 – 2746. Auf voller Lautstärke, man(n) will so einen Film auch verstehen. So richtig verstehen, meine ich. Langer Rede, kurzer Sinn: in meinen Gedanken war diese Woche geil. So in etwa wie meine Studienzeit. Die war nämlich geil… Aber mal so richtig.

So brachte ich meine Damen also zum Flieger. Der Abschied, nun ja, tat nicht mehr weh als alle anderen vorher. Immerhin durfte ich direkt weiter nach Wuppertal. Training für einen großen Deutschen Bezahlsender. Zwei Tage wurden mir von meiner Strohwitwerwoche also gestohlen. Sei es drum… Am Vatertag fuhr ich heim. Schon das ist echt bescheuert. Meine Kumpels ziehen durch den Wald, sind voll wie die Nattern und ich verbringe meinen Tag auf deutschen Autobahnen. Immerhin scheinen an diesem Tag viele andere Menschen auch im Wald zu sein, die Bahn war leer. So dauerte es nicht lange und das Meisterstück Münchner Ingenieurstechnik brachte ich mich im Eiltempo gen Haching.

Da stand ich also, in ‘meiner’ Wohnung. Alleine. Und es war – ruhig. Nein. Es war still. Einfach nur still. Herrlich. Schnell die Koffer in die Ecke pfeffern, aufräumen kommt später. Ab zum Kühlschrank. Weißbier. Jetzt. Rauchen. Ab auf den Balkon. Passend, macht ja bei 6 Grad auch Spaß. Und zum Lungenkrebs kommt vorweg zum Eingewöhnen die Lungenentzündung. Klasse. Egal. Das Bier schmeckt auch im Wohnzimmer. So sitze ich da also. Der Blick schweift durch den Raum. Mias Laufstall. Voller Spielzeug. Ihr Lieblingsbuch. Und 1000 andere Dinge. Und doch: er ist leer. Interessant. Das will ich weiter erforschen. Gehe in Mias Zimmer. Auch das ist so ähnlich wie ein Laufstall. Nur größer. Und voller. Bett. Schrank. Dinge. Und was sehe ich? LEER! Völlig leer. Verwundert gehe ich zurück ins Wohnzimmer.

Hallo? Genau darauf hatte ich mich gefreut. Wirklich und aufrichtig. Ja, ich weiß, es macht mich nun nicht zu einem besseren Menschen, wenn ich das zugebe. Eigentlich darf Papa sich nicht freuen, wenn er mal Ruhe hat. Doch ich tat genau das. Und genau diese Freude begann in dieser Sekunde zu schmelzen. Sich davon zu stehlen. Abzuhauen. Schnell noch ein Bier auf, das kann man ja nicht ertragen, dieses Selbstmitleid. Fähnchen im Wind, pfui. Während mein Abend erfüllt war von lauten Schallwellen (können Schallwellen eigentlich laut sein?) und aus dem TV die wildesten Filme mein Herz zum Klopfen brachten, huschte mein Auge immer wieder über das Babyphon. Und es war – richtig – aus. Seltsam. Nachts schlafen. Und trotzdem aufwachen, weil man irgendwas hört…

So verging die Woche. Immerhin hatte ich einen Teil meines Planes erfüllt. Die Wohnung sah irgendwann wirklich so aus wie die Wohnung in Bielefeld. Wellensiek. Studienzeit. Also fast zumindest. Pizzakartons. Biergläser. Doch einen ganz wichtigen Teil meines Plans konnte ich nicht erfüllen. Die Zeit genießen? Nein. Das ging nicht. Ich weiß nicht warum. Diese Wohnung war leer. Sie war kalt. Sie war einsam.

Und als meine Damen eine Woche drauf wieder gen Norden flogen, pochte mein Herz. Nicht wegen SAW. Sondern weil ich mich freute. Aufrichtig und ehrlich freute. Auf all das, was mir in dieser Woche fehlte. Mias Weinen, weil ihr Zahn juckt. Ihr Gemecker, wenn irgendwas nicht so läuft wie sie will. Auf das ‘auf der Hut sein’, damit nichts geschieht. Und auf alles andere, das ich nicht beschreiben kann. All das, was wohl im großen Wort Liebe umschrieben wird.

In dieser Woche ist mir vieles klar(er) geworden. Ich bin Papa. Und so Gott will, werde ich das für den Rest meines Lebens bleiben. Wie sagt unser Außenminister in einem anderen Kontext?

und das ist auch gut so…

ach ja, die Blumen habe ich übrigens nicht gegossen. Au man.