die ersten Stehversuche (via postie)
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Ja, ich gebe zu: das ist wirklich noch ein paar Tage entfernt von der Sache, die wir Stehen nennen. Kommt Zeit, kommt Stand. Ganz sicher…
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Ja, ich gebe zu: das ist wirklich noch ein paar Tage entfernt von der Sache, die wir Stehen nennen. Kommt Zeit, kommt Stand. Ganz sicher…
Kennt Ihr das? Man hört wie andere Menschen über einen sprechen. Zufällig und belanglos. Sätze wie ‘das ist der mit dem schwarzen Auto’ oder ‘das ist die aus dem 2. Haus auf der rechten Seite’ oder ‘das ist der aus dem Sportverein’… Etc pp.
Mir ist letztens ähnliches geschehen. Ich ging Richtung Haustür an unseren Nachbarn vorbei. Der Herr spielte mit seinem Enkel (ca. 2 Jahre alt) und ich hörte diesen fragen, wer ich denn sei. Die Antwort?!
Das ist der Papa von der kleinen Mia…
Adios alter Stefan – Servus Papa Stefan. Auch schön…
Nachdem mir vor Kurzem – ich hatte unendlich viel Zeit und so durchstöberte ich mal wieder den Blog – auffiel, dass hier schon fast unheimlich viele emotionale Einträge ihren Platz haben, so darf doch nun auch mal die Ratio zu ihrem Recht kommen.
Unsere Lütte ist nun fast 1 Jahr alt. Ganz ehrlich, das ist doch unglaublich. Zack wrusch. Und weg. Und gerade weil die Zeit so rasend schnell vergeht, weiß ich ziemlich gut, was so alles geschehen ist in diesem einen so spannenden Jahr. Zum Beispiel das:
Meine Frau arbeitet in der Stadt als RAF – was in diesem Fall weniger mit einer 1970 gegründeten militanten Organisationzu tun hat, sondern vielmehr für Rechtsanwaltsfachangestellte stehen soll – und liebt ihren Job sehr. Dazu kommt die Thematik ‘Miete in München’. Unterm Strich jedenfalls hatten wir geplant, unsere Lütte nach ca. einen Jahr halbtags in die örtliche Krippe zu geben, damit Tina joblich nicht raus kommt, ein wenig Geld rein kommt und Mia schon schnell mit vielen Kindern in Kontakt kommt. Leider haben wir da die Rechnung ohne den Wirt gemacht.
Kurz nach Mias Geburt waren wir dann zur Sprechstunde in der Krippe. Und wir waren gleich hellauf begeistert. Neu, toll ausgestattet, zum Wohlfühlen und gleich bei uns um die Ecke. Dann der Schock. Auf die Frage nach dem ‘wann wollen Sie denn Ihre Tochter zu uns bringen?’ und unsere Antwort ‘naja, so in ca. einem Jahr’ konnte sich die Dame den verwirrten Blick nicht verkneifen…
Schnell war uns klar, was der Auslöser dieses Blickes war. Gute zwei Jahre beträgt die Wartezeit auf einen Platz. Nur mal zum Verständnis:
wenn man – oder besser frau – nach einem Jahr Babypause wieder arbeiten möchte oder muss, dann sollte man schon bereits vor dem sexuellen Vergnügen einfach mal so auf gut Glück einen Krippenplatz beantragen.
Das entspricht dann ja zumindest so in etwa der Wartezeit, die Eltern hier in Haching erleben dürfen. Da ziehe ich doch mal den Hut. Zum einen vor unserer eigenen Blödheit. Hätten wir uns doch im Vorfend durchaus schlau machen können. Doch ganz im Ernst: damit habe ich im Leben nicht gerechnet! Viele meiner Freunde, die in der ganzen Republik seßhaft sind, haben ihre Kinder ohne Probleme und ohne ZWEI Jahre Wartezeit in den jeweiligen Krippen untergebracht. Nicht so wir hier. Nein.
So stehen wir nun also relativ beömmelt da. Tina ist noch immer daheim. Mia auch. Würden wir 600 € Miete zahlen, dürfte das auch so bleiben. Obwohl, zahlen wir ja. Für zwei Wochen. Haha.
Sei es drum. Gilt es für uns jetzt die Augen offen halten. Alle Krippen in der Umgebung penetrieren. Tagesmütter finden. Oder der Papa nimmt einfach noch einen Zweitjob an. Doch stop, mein Gedanke von eben kommt wieder hoch. Wir waren heute Mittag bei IKEA. Zwei Erkenntnisse durfte ich gewinnen: die HotDogs gibt es nur aus einem Grund: damit die Männer mitkommen. Kein normaler Mann würde sonst auch nur einen Fuß in diese Läden setzen. Doch die 1 € Wurst mit Weichsemmel und unendlich viel Saucen und Röstzwiebeln reißt das raus. Immerhin gibts dazu auch noch ein köstliches Kaltgetränk. Das ist wirklich sensationell. Wäre das nicht, ich wär´ nicht bei IKEA. Fakt eins. Nun Fakt zwei. (Nein, wir haben nicht zwei Schränke oder Kommoden oder was auch immer names Fakt gekauft!) Also lieber These zwei:
wir brauchen keine Krippe. Wir bringen Mia einfach jeden Morgen ins Smaland oder wie das Zentrum der Lautstärke in jedem schwedischen Selbstaufbaumöbelhaus auch heißen mag. Dort gibt es alles. Betreuung. Windeln. Sogar Essen. Für umme! Für lau! Für umsonst.
Das ist die Lösung. Kripp Kripp Hurra!
Was war das ein Wechselbad der Gefühle. Wahnsinn. Doch langsam. Eines nach dem anderen:
Ich habe eine Tochter. Gut, das ist nichts neues. Natürlich habe ich auch eine Ehefrau, immerhin leben wir im geordneten Bayern. So weit auch nichts neues. Und ja, auch eine Schwiegermutter habe ich. Teile ich das sicherlich auch mit vielen anderen Papas. Doch bei uns ist etwas ein bisschen anders als bei anderen. Meine Schwiegermutter genießt einen Teil des Jahres unter griechischer Sonne. Okay. Und da bietet es sich ja mehr als an, wenn der ein oder die andere die ein oder andere Woche des Jahres gleiches macht. So war also der erste wirkliche Sommerurlaub meiner Tochter sehr schnell geplant. Mama einpacken, Tante einpacken, Badebuchse einpacken – und los gehts.
Der Papa bleibt daheim, einer muss ja die Blumen gießen. Zumindest theoretisch. Und das Geld verdienen. Das nun wirklich. Ja, ich war in den letzten Wochen wirklich oft weg. Und ja, natürlich fallen mir diese Trennungen immer wieder schwer. Doch war das anders. Komplett anders, wie ich schon bald erfahren sollte. Denn unter uns, und bitte sagt es nicht weiter, ich freute mich sogar ein wenig auf diese Woche. Diese 7 Tage allein in der Wohnung. Chips. Pizzakartons. Bier trinken und die Gläser nicht wegräumen. Final Destination schauen und das wann immer ich will. Gefolgt von SAW 1 – 2746. Auf voller Lautstärke, man(n) will so einen Film auch verstehen. So richtig verstehen, meine ich. Langer Rede, kurzer Sinn: in meinen Gedanken war diese Woche geil. So in etwa wie meine Studienzeit. Die war nämlich geil… Aber mal so richtig.
So brachte ich meine Damen also zum Flieger. Der Abschied, nun ja, tat nicht mehr weh als alle anderen vorher. Immerhin durfte ich direkt weiter nach Wuppertal. Training für einen großen Deutschen Bezahlsender. Zwei Tage wurden mir von meiner Strohwitwerwoche also gestohlen. Sei es drum… Am Vatertag fuhr ich heim. Schon das ist echt bescheuert. Meine Kumpels ziehen durch den Wald, sind voll wie die Nattern und ich verbringe meinen Tag auf deutschen Autobahnen. Immerhin scheinen an diesem Tag viele andere Menschen auch im Wald zu sein, die Bahn war leer. So dauerte es nicht lange und das Meisterstück Münchner Ingenieurstechnik brachte ich mich im Eiltempo gen Haching.
Da stand ich also, in ‘meiner’ Wohnung. Alleine. Und es war – ruhig. Nein. Es war still. Einfach nur still. Herrlich. Schnell die Koffer in die Ecke pfeffern, aufräumen kommt später. Ab zum Kühlschrank. Weißbier. Jetzt. Rauchen. Ab auf den Balkon. Passend, macht ja bei 6 Grad auch Spaß. Und zum Lungenkrebs kommt vorweg zum Eingewöhnen die Lungenentzündung. Klasse. Egal. Das Bier schmeckt auch im Wohnzimmer. So sitze ich da also. Der Blick schweift durch den Raum. Mias Laufstall. Voller Spielzeug. Ihr Lieblingsbuch. Und 1000 andere Dinge. Und doch: er ist leer. Interessant. Das will ich weiter erforschen. Gehe in Mias Zimmer. Auch das ist so ähnlich wie ein Laufstall. Nur größer. Und voller. Bett. Schrank. Dinge. Und was sehe ich? LEER! Völlig leer. Verwundert gehe ich zurück ins Wohnzimmer.
Hallo? Genau darauf hatte ich mich gefreut. Wirklich und aufrichtig. Ja, ich weiß, es macht mich nun nicht zu einem besseren Menschen, wenn ich das zugebe. Eigentlich darf Papa sich nicht freuen, wenn er mal Ruhe hat. Doch ich tat genau das. Und genau diese Freude begann in dieser Sekunde zu schmelzen. Sich davon zu stehlen. Abzuhauen. Schnell noch ein Bier auf, das kann man ja nicht ertragen, dieses Selbstmitleid. Fähnchen im Wind, pfui. Während mein Abend erfüllt war von lauten Schallwellen (können Schallwellen eigentlich laut sein?) und aus dem TV die wildesten Filme mein Herz zum Klopfen brachten, huschte mein Auge immer wieder über das Babyphon. Und es war – richtig – aus. Seltsam. Nachts schlafen. Und trotzdem aufwachen, weil man irgendwas hört…
So verging die Woche. Immerhin hatte ich einen Teil meines Planes erfüllt. Die Wohnung sah irgendwann wirklich so aus wie die Wohnung in Bielefeld. Wellensiek. Studienzeit. Also fast zumindest. Pizzakartons. Biergläser. Doch einen ganz wichtigen Teil meines Plans konnte ich nicht erfüllen. Die Zeit genießen? Nein. Das ging nicht. Ich weiß nicht warum. Diese Wohnung war leer. Sie war kalt. Sie war einsam.
Und als meine Damen eine Woche drauf wieder gen Norden flogen, pochte mein Herz. Nicht wegen SAW. Sondern weil ich mich freute. Aufrichtig und ehrlich freute. Auf all das, was mir in dieser Woche fehlte. Mias Weinen, weil ihr Zahn juckt. Ihr Gemecker, wenn irgendwas nicht so läuft wie sie will. Auf das ‘auf der Hut sein’, damit nichts geschieht. Und auf alles andere, das ich nicht beschreiben kann. All das, was wohl im großen Wort Liebe umschrieben wird.
In dieser Woche ist mir vieles klar(er) geworden. Ich bin Papa. Und so Gott will, werde ich das für den Rest meines Lebens bleiben. Wie sagt unser Außenminister in einem anderen Kontext?
und das ist auch gut so…
ach ja, die Blumen habe ich übrigens nicht gegossen. Au man.