die Hipp Verschwörung
Ja,
Ihr lest richtig. Wir befinden uns nicht in einem Fußball Blog und kochen mal wieder eine der schon fast vergessenen Hopp Verschwörungen auf. Hier geht es um Hipp. Um Prof. Dr. Claus Hipp. Mal ganz im Ernst: schaut Euch mal diese Homepage an – klick mich. Was seht Ihr? Richtig, lachende Kinder. Ob im Netz. In Printmedien. Oder im TV. Überall lachende Kinder.
Und jetzt, da ich lange darüber nachgedacht habe, weiß ich auch, warum das so ist. Niemand – oder zumindest fast niemand – würde ernsthaft darüber nachdenken, sein Leben mit einem Kind zu bereichern, wenn es immer zu schreien würde. Und was würde dann geschehen? Richtig. Herr Prof. Dr. Claus Hipp müsste sich ordentlich Gedanken machen – denn mit Babynahrung wär dann nicht mehr viel zu verdienen. Ergo müssen die Lütten in der Werbung lachen. Toujours. Immer. Ohne Unterlass. Auch ganz schön anstrengend…
Ich weiß es mittlerweile besser. Kinder lachen nicht immer. Um es genau zu sagen, manchmal lachen Babys unglaublich selten. Manchmal sogar nie. Und da ein einfaches Nichts Tun zu langweilig wäre, wird diese Zeit mit Schreien überbrückt. Oh ja. Lautes. Herzzerreißendes. Nervenbelastendes. Schreien. So geschehen bei – uns. Blicken wir zurück, so gute drei Wochen.
Weinen (ich will nicht immer schreien sagen, obgleich es doch so passend wäre) über Stunden. Am Stück. Sehr gerne abends von 18.00 bis 22.00 Uhr. Vier Stunden – das sind tatsächlich 240 Minuten. Und niemand sagt uns warum. Es ist schon komisch: wenn ich angeln will, muss ich einen Angelschein machen. Will ich meine Muskeln schonen und mit dem Mofa durch die Walachei gurken, muss ich eine Mofaführerscheinprüfung bestehen. Will ich bei IKEA Kaffee günstig, brauche ich die IKEA family card. Will ich ein Kind, geht das einfach so. Naja, fast zumindest…
Nix mit Prüfung. Nix mit ‘ich lern das jetzt mal’… Nach 40 Wochen ist das Lütte da. Und nach drei vier fünf Tagen geht´s in den Alltag. Seid mal ehrlich: ist das nicht komisch?! In einem Land, in dem alles, aber auch wirklich alles reglementiert wird, steht Dir bei der wichtigsten Herausforderung im Leben niemand bei. Ich find das wirklich sehr strange. Aber sei es drum.
So standen wir da also. Schweißperlen auf der Stirn. Die Ohren klingelten. Und unsere Kleine schrie sich die Lunge aus dem Hals. Hunger? Nein. Pampi voll. Nö. Müde? Dann würde sie doch schlafen. Nach ätzenden (wirklich sehr ätzenden!) Tagen wussten wir nicht mehr weiter und gingen zur Kinderärztin. Unter uns: ich find die Dame wirklich nett. Und sie arbeitet in einer Gemeinschaftspraxis mit einer Psychotherapeutin. Das ist erst einmal unwichtig, doch man merke später auf…
Nach einer kurzen Untersuchung und der Feststellung, dass unsere Tochter körperlich absolut gesund ist, sagte sie in meinen Augen viel zu unverschämt Ja, sie haben ein Schreikind. Juhuu. Herzlichen Glückwunsch. Ohne Medizinstudium kann ich das ja auch nicht erkennen. Ihre Antwort auf meine Frage, wie lange man sich mit diesem Phänomen anzufreunden hat war dann noch erbaulicher. Naja, längstens ein Jahr. Puh, ich ging schon von 10 – 15 Jahren aus. Wie gut diese Beruhigung tat. Doch jetzt wird es wichtig. Ich entgegnete ihr, dass ich dann schon mal einen unverbindlichen Termin bei ihrer Praxiskollegin vereinbaren möchte. Denn unter uns: ein Jahr halte ich nicht aus. Darauf hin half sie uns wirklich. Vielleicht ohne es zu wissen. Sie erklärte uns das Verhalten der Kleinen.
Manchmal sind Babys körperlich da. Mitten auf dieser Welt. Leider braucht ihr Geist von Fall zu Fall einfach länger. Sie begreifen all das, was für uns so selbstverständlich ist, ganz einfach nicht. Und haben Angst. Ganz einfach ‘nur’ Angst. Unser Job sei es nun, ihr diese Angst zu nehmen. Einfach da zu sein. Sie zu halten. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. MP3 Player ins Ohr und halten. Das haben wir versucht.
Langer Rede, kurzer Sinn. Seit gut einer Woche haben wir sicherlich nicht das liebste Baby der Welt. Sie weint noch immer, von Zeit zu Zeit. Ab und zu. Mal kurz, mal ein bißchen länger. Doch bestimmt dieses Weinen nicht mehr unser tägliches Sein. Nein, nun wissen, unser Schatz kann viel mehr.
Sie gluckst. Sie entdeckt ihre Hände. Manchmal kommt sie nachts nur EIN EINZIGES MAL. Sie hat sich in ihr Kuschelschmusetuchschaf verliebt. Und sie kann etwas ganz besonderes:
Sie hat das Lächeln für sich entdeckt. Quasi als Geheimwaffe. Die sie immer besser einzusetzen weiß. Denn eines ist sicher: ich schmelze in diesen besonderen Momenten dahin. Schneller als der Gletscher auf der Zuspitze. Zack. Und schwupps ist das Weinen vergessen. Nur die grauen Haare bleiben. Doch die sollen ja bekanntlich einen Mann besonders machen…
Und nun weiß ich: Der Hipp´sche Claus hat Recht. Kinder können Lachen. Bestimmt nicht immer. Sollen sie auch gar nicht. Doch so ab und zu verzaubern sie damit unser Leben. Ein Hoch auf das Marketing. Ich meine, die Jungs dort wollen ihren Kram verkaufen. Dafür brauchen sie Babys. Oder Erwachsene mit einem eigenwilligen Geschmack. In erster Linie aber doch Babys. Daher lacht uns in der Werbung permanent ein süßer Fratz entgegen. Und schon sagen unsere Damen: ohhh, schau mal. Soooo süß…!!! Und was sagen wir Männer (natürlich (!) nach reiflicher Überlegung!)? Okay, stimmt. So ein Stammhalter ist schon klasse. Steuerlich in der Regel auch ganz reizvoll. Und all das viele Geld soll irgendwann ja mal nicht an den Staat oder den Tierschutzbund fließen, da macht ein potentieller Erbe Sinn. Und nach zwei bis vier Augenaufschlägen haben unsere Göttergattinnen uns dann auch. Zack – schwanger.
Ich bin froh, dass die Werbung so unverschämt lügen kann.
Ich bin froh, dass wir einen so wundervollen Schatz haben. Auch wenn Mia noch immer manchmal weint.