Gedanken am Tag 1.
Nun will ich die Ruhe des Tages nutzen, und diesen ganz besonderen 24. Juni zumindest ansatzweise in Worte fassen…
Dazu sollte ich wohl aber einen Tag weiter in die Vergangenheit gehen. Oder am besten gleich zwei. Am Montag hatten wir im Krankenhaus Harlaching unseren Termin zur Äußeren Wendung. Auch obgleich die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges bei unter 50 % lag, wollten wir (oder besser Tina!) diesen Weg, um der Kleinen eine normale Geburt zu ermöglichen. Und siehe da, der Prof. hat seinen optimistischen Worten tatsächlich Taten folgen lassen und der Kleinen bei ihrem Purzelbaum erfolgreich unter die Arme gegriffen. Im wahrsten Sinne des Wortes sogar. Nach einem recht langen Tag im Krankenhaus fuhren wir dann doch mehr als erleichtert wieder heim.
Am Dienstag durfte ich beruflich Richtung Niederbayern. So traf mich der Anruf meiner Frau mitten in Straubing und dazu noch mitten ins Mark. Sie müsse wieder ins Krankenhaus, es bestehe der Verdacht auf eine sogenannte Schwangerschaftsvergiftung oder auch Gestose. Aber alles okay, ich solle nicht heim kommen – ab und zu müssen ja auch mal ein paar € verdient werden. Okay okay. Ruhig Blut, alles wird gut. Zumindest versuchte ich mir das einzureden. Blöderweise hatte ich dann den Abend damit verbracht, mich im Netz schlauer zu machen. Schlauer, was denn nun diese Gestose überhaupt ist. Und was ich dort las, konnte mein schwaches Nervenkostüm nicht wirklich beruhigen. Ganz im Gegenteil. Und dann kam es, wie es kommen musste.
Mittwoch Morgen – ich hatte eben meinen Coaching Tag begonnen, rief Tina mich an. ‘Ich werde nun in den OP gebracht, Mia wird per Kaiserschnitt geholt…’.
Bumm, das hat gesessen. Jetzt aber los, keine Zeit verlieren. Straubing – München. Knappe 150 km in gut einer Stunde. Sollte gestern jemand tief an Euch vorbeigeflogen sein, so war ich das. A propos fliegen, von den Gedanken und Ängsten, die durch meine Hirnwindungen flogen, will ich heute nichs mehr wissen. Und schon gar nichts schreiben. Nur soviel: ich hatte eine scheiß Angst. Punkt.
Um Punkt 12 fuhr ich in Harlaching auf den Hof. Eilte zum Kreissaal. Traf unsere Freundin und Nachbarin Marion. Alles geschah ganz einfach. Hinsetzen. Warten. Rumlaufen. Fast Verrückt werden.
Es muss gegen halb eins gewesen sein, als Karin (auch Nachbarin & Freundin) mit Mia Sophie aus dem OP kam. Ich frage mich jetzt noch, was durch meinen Kopf ging. Ich weiß es nicht. Da ist sie also, unsere kleine Motte. Und alles ist dran. Finger und Beine und Augen und Ohren und Nase und und und.
Tina ging es gut. Den Umständen entsprechend natürlich. So ein Kaiserschnitt ist eine OP. Eine richtige. Mit Schmerzen und einer Narbe. Ich bin sehr stolz auf meine Frau. Sehr sehr stolz!
Der Rest des Tages huschte als Film an mir vorbei. Ich durfte der Kleinen ihre erste Pulle geben. Die sie ratz fatz wegzog. Schon ganz gut, das ist meine Tochter. Hat sie von mir…
Nachmittags nach Hause. Kurz eingekauft. Schnapps und Zigaretten. Die Nachbarn haben sich angekündigt. Zur Pinkelparty. Komischerweise kennt man das in Bayern nicht. Oder soll ich sagen: kannte. Denn nun weiß jeder Bescheid…
Unglaublich viel getrunken. Erzählt. Immer & immer wieder. Telefoniert bis zum Ohrglühen. War der Akku mittags voll, so war er abends alle. Der vom Telefon. Und meiner auch…
So ging der Tag zu Ende. Der aufregendste Tag meines Lebens. Der mit Tränen der Angst begann – und mit Tränen des Glücks endete.
Lütte, schön dass Du endlich bei uns bist. Ich liebe Dich!