Atmen für Anfänger
Oh ja, ich habe es getan! Ich atmete in mein linkes Bein! Glaubst Du nicht? Okay, ich auch nicht – aber lass uns ein wenig ausholen…
Ehrlicherweise gehöre ich zu der Spezies Papa, die richtigen, großen und handfesten Respekt vor der ‘Größe’, oder soll ich besser sagen ‘Kleine’, eines Babys haben. Und hallo? Man fährt ein Auto ja auch nur mit Führerschein. Zumindest sollte das so sein. Also sagte ich meiner Frau vor einiger Zeit, dass ich aufrichtig und ehrlich mit ihr einen Kurs besuchen wolle, wo man(n) so grundlegende Dinge lernt wie Kind halten, baden, Bäuerchen machen, wickeln (oh weh!) und was sonst noch alles so dazu gehört, zum Papa sein. Freudestrahlend konfrontierte sie mich dann auch tatsächlich mit der Botschaft, dass in Ihrem Babykurs auch (natürlich – wie ‘natürlich’?!) die Männer dabei sind. Ich müsse ja nicht immer mitkommen, aber an den interessanten Abenden wäre es für mich durchaus sinnvoll und sie würde sich unglaublich freuen…
Ich meine, welche Wahl hatte ich? Keine. Richtig. Und wenn ich 90 Minuten Arminia überstehe – und das ist aktuell kein Vergnügen! – dann schaffe ich auch 2 Stunden Babykurs. Mit links und locker. Ja, genau…
Um 19 Uhr geht es also los. Montagabend. Gut, dass Arminia noch Erstklassig spielt, sonst dürften wir an der Stelle eine 1A Terminkollision erleben. Um 19.07 waren dann auch alle Paare da. Ach, was soll´s – Pünktlichkeit wird auch völlig überschätzt.
So sitzen wir da nun also. 19 Menschen – neun Paare (seltsamerweise alle hetero) – und unsere Kursleiterin. Sehr nett. Und wie wir alle in Strümpfen. Denn die Schuhe, die zieht man natürlich aus. In einem 16 Quadratmeter Raum übrigens eine absolut überzeugende Idee an einem Montag Abend. Hmmm. Wie auch immer, lasset die Spiele beginnen. Denn die Uhr läuft und der Spaß kostet ja auch Geld. Beginnen wir also mit Atemübungen. Okay, passt zum Motto, habe ich im Fernsehen bei RTL auch schon gesehen. Muss also wohl so sein. Seltsamerweise erinnerte es mich brachial an meine NLP Ausbildung – so haben wir ein akurates Atem Pacing durchgeführt. Und Heureka, es funktioniert noch immer.
Schade nur, dass scheinbar alle durch ihren gesamten Körper atmen konnten, einschließlich des linken und des rechten Beines , und ich mein Luftholen auf meine Lungen beschränken musste. Die Luft ging und ging einfach nicht weiter. Und schon gar nicht in meine Beine.
Nach dieser Erkenntnis folgte bereits der nächste Höhepunkt des Abends – quasi ein stakkatomäßiges Abbrennen des Babykursfeuerwerkes… Rhythmische Klänge – die mich in sekundenschnelle zurück in die Karibik brachten – liessen die Luft in unserem 16 m2 Raum erflimmern. Lasst Eure Becken kreisen – geil, also doch einer dieser Swinger Clubs, von denen man so viel hört. Und nun stellt Euch vor, euer Becken ist eine Schüssel. Hää? Mein Becken kann vieles sein, aber eine Schüssel?! Und nun stellt Euch einen Ball vor. Und lasst diesen in Eurer Schüssel kreisen. Schüssel, ich höre nur Schüssel. Mist, und dann ist meine imaginäre Schüssel auch noch voller CornFlakes – denn so langsam meldete sich mein Magen. Also, lasst uns zusammenfassen: Becken – Schüssel – CornFlakes. Und kein Platz für den Ball. Also auch nicht meine Übung. Und doch ziehe ich ein Resümee (laut google schreibt man das so – und doch sieht es komisch aus! Resümee…): Männer und beckenkreisende Tanzbewegungen = geht nicht!!! Hahaa…! Und somit bekommt der Abend bereits mindestens einen Punkt auf meiner nach oben offenen Spaßskala.
Okay, nun sind wir warm. Geatmet und getanzt, obgleich ich wirklich auf das berühmte Namentanzen gewartet habe. Was nicht kam, aber sei es drum. Und jetzt galt es, nun ging es los, es folgte der Teil, der mich brennend interessierte: die Puppe kam ins Spiel. Wir sprachen über das Halten des Kindes beim Baden. Wichtig! Leider sprachen wir nur 2 Minuten drüber. Und die Puppe hatte ich 4 Sekunden in der Hand. Scheine doch ein Naturtalent zu sein, denn mein Hateversuch wurde nicht durch ein NEIN, so doch nicht!!! unterbrochen. Selbstbeweihräuchernd auf die Schulter klopfend wartete ich nun auf das nächste Thema. Vielleicht Windeln wechseln… Und siehe da, mein Wunsch wurde erhört! Leider war derjenige, der mir sein Gehör schenkte, überdurchschnittlich taub. Denn zum Thema Windeln gab es folgendes zu sagen: Bei den Windeln müsst Ihr mal ein bißchen ausprobieren. Der eine verträgt die Marke gut, der andere wiederum eine andere. Also einfach ausprobieren… Hääää? Das ist nun alles? Und wie zieht man dem Balg nun den Kackaschutz an?! Nichts. Ruhe. Stille. Na super – das hätte ich mir ja nach drei Bier noch selbst ausmalen können, dass man bei den Windeln ein wenig experimentieren muss. Sonst gäbe es ja nur eine Marke… Und die Zeiten sind ja nun glücklicherweise vorbei.
Ich will gar nicht weiter ausholen. Ach – doch. Wir haben noch Stilleinlagen unter die Lupe genommen. Jau. Stilleinlagen. Gibt es aus rauhem Stoff – für die Damen, deren Nippel eh noch nicht Wund genug sind
und aus Silikon. Wahrscheinlich eher für die Babe-Fraktion… Sag mal, schreibe ich mich hier gerade um Kopf und Kragen?! Ach, sei es drum…
So ging ein Abend pünktlich um 21 Uhr dem Ende entgegen. Was soll ich sagen? Meine Frau fand es super, dass ich dabei war – immerhin kommen (fast) alle anderen Kerle jedes Mal mit. Super – schönen Dank. Wollen wir den Druck mal künstlich hochhalten. Kameradenschweine. Ich jedenfalls werde sicherlich noch mal den Weg nach Harlaching finden – und vielleicht schaffe ich es ja dann, meine Beine nicht nur zum Laufen, sondern auch zum Reinatmen zu gebrauchen…